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Handbuch Moderne Wundversorgung

   -Arbeiten mit modernen antibakteriellen Verbaenden (fuer die infizierte Wunde)


Wundspektrum in chronischen Wunden

Hier findet sich ein breites Keimspektrum, wobei in vielen Geschwueren eine aerobe und anaerobe Mischkultur co-.existiert. Die am haeufigsten vorkommenden aeroben Keime sind der Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeroginosa. Bei den Anaerobier sind es der Peptostreptococcus und Bacteroides.
Wie kommt es nun zu Resistenzen?

Resistenz entsteht klinisch, biochemisch, natuerlich oder wird erworben. Fuer den Problempatienten werden die sogenannten Problembakterien gefaehrlich. Zu diesen zaehlen resistente Staphylokokken (MRSA), Enderokokken (VRE) und Pseudomonaden. Sie sind fuer den Gesunden meist harmlos, koennen aber lebensbedrohliche Infekte beim Problempatienten verursachen.
Aus diesen Gruenden (Zunahme von Resistenz und Problempatienten) ist der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika in den letzten Jahren so vorangetrieben worden. Antibiotika werden gezielt und kalkuliert verabreicht.
In der Wundbehandlung spielen heute Antibiotika nur noch eine kleine Rolle. Sie werden gezielt (z.B. in der Vakuumversiegelung)  eingesetzt.
Bei der Bekaempfung von Infektionen in der Wunde haben sich Antiseptika verstaerkt durchgesetzt.

Kontamination, Kolonisation, Infektion (2)

Der Hauptunterschied liegt nicht in der Keimzahl, sondern in der Reaktion des Patienten auf die anwesenden Bakterien. Allein die Anwesenheit von Bakterien in der Wunde zeigt noch keine Infektion oder Wundheilungsstoerung an.

Kontamination: Anwesenheit von Bakterien, keine Reaktion des Wirts

Kolonisation: Anwesenheit von reproduzierenden Bakterien, keine Reaktion des Wirts

Kritische Kolonisation : Grauzone zwischen Kolonisation und Infektion

Infektion: Anwesenheit und Reaktion des Wirts, Roetung, Schwellung, Fieber, Leukozytose, Schmerz,
                Keimlast groesser als 1000000 Bakterien pro Gramm Gewebe.

5.Auszuege aus der Entwicklung der antibakteriellen Wirkstoffe:

Das grosse Ereignis in der Chirurgie war neben der Narkose der uebergang von der Antisepsis zur Asepsis.
Schon 1847 kam Ignaz Philipp Semmelweis in der Wiener Klinik zur Erkenntnis, dass die Kontaktinfektion
die Ursache der Entzuendung und Eiterung sei. Nach ihm trat 1867 Josef Lister mit seiner Karbolspruehmethode
und der Verwendung von karbolgetraenkten Verbandstoffen an die oeffentlichkeit. Semmelweis und Lister wurden die Begruender der Asepsis. Erst 10 Jahre spaeter entdeckte Robert Koch die Wundinfektionserreger.
Damit war die Wundversorgung nicht mehr nur eine reine pflegerische Leistung, sondern sie wurde nun zu einer Aufgabe der aufkommenden bakterioolgischen Wissenschaften schlechthin. Die Eiterbildung war nichts wuenschenswertes sondern ein pathologischer Befund.
Damit begann die aera der Antiseptika: Farben, Silberverbindungen, Halogene (Jod), Brom, Quecksilber,
Wasserstoffperoxid.u.s.w.  kamen zur Anwendung. In den siebziger und achtziger- Jahren waren die Wunden oft sehr bunt.
In dieser Zeit wurden Antibiotika in Form von Pulver und Loesungen in Wunden eingebracht.
6. Der heutige Stand der antibakteriellen Therapie (Auszuege):
In den neunziger Jahren begann ein Wandel. Die Wunde sollte beurteilbar und das angewandte Antiseptika
wenig zytotoxisch sein. So verschwanden die Farben und der Einsatz von Antibiotika wird bis auf den heutigem Tag nur noch selten, aber sehr gezielt eingesetzt.  Heute haben sich  wenig zytotoxische Antiseptika wie Lavasept und Octinisept sehr bewaehrt. Die Ringerloesung wird der Kochsalzloesung fuer Wundauflagen bevorzugt und der Anwender achtet darauf, dass er nur warme Spuelloesung verwendet um die Wundtemperatur nicht herunterzukuehlen, was die Zellteilung verlangsamt (wichtig bei nicht infizierten Wunden). Bei der stark infizierten Wunde wird bis auf den heutigen Tag mit feuchten, kuehlen Verbaenden  sehr erfolgreich gearbeitet.

7. Welchen Sinn macht es einen antibakteriellen HKV anzuwenden?

Contreet H ist vom Markt genommen.

[Robert Zimmer
(Stationsleiter an der Chirurgischen Universitaetsklinik Erlangen)

Quellen:
1: Medizinische Mikrobiologie Thieme-Verlag
2: Coloplast Hamburg
3: Geschichte der Chirurgischen Uni.-Klinik Erlangen , Alfred Heidacher